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BIOGRAPHIE
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  • Persönliche Daten
  • Meine erste Berührung mit NTEs
  • Meine Begegnungen
  • Meine Beziehungen zu den NTEs
  • Meine Untersuchung der NTE als Gesellschaftsphänomen
  • Mein neues Buch "Engelchens Land"


  • Persönliche Daten

    Ich bin 1954 in Bern (Schweiz) geboren und lebe seit vielen Jahren in der Nähe von Genf. Beruflich bin ich an der Universität Genf tätig. Seit rund 25 Jahren widme ich den Großteil meiner Zeit der NTE-Erforschung und dem Schreiben von Büchern und Artikeln über dieses Thema. Ich halte Vorträge in der Schweiz und im Ausland und nehme an internationalen Kongressen teil, die sich mit Nahtoderfahrungen beschäftigen. Außerdem bin ich seit vielen Jahren Koordinatorin des Scientific and Medical Network für die französischsprachige Schweiz.

    Meine erste Berührung mit NTEs

    Meine erste Begegnung mit dem Phänomen der Nahtoderfahrung ereignete sich in den Achtziger Jahren und sollte sowohl hinsichtlich meiner Überzeugungen als auch meiner Tätigkeiten entscheidend sein. Wie Millionen andere Leser auf der Welt kam auch ich mit den NTEs erstmals durch Moodys Buch "Leben nach dem Tod" (1979) in Berührung. Mir war sofort klar, dass die Berichte der Nahtoderfahrenen viele meiner grundlegenden Fragen beantworteten, während sich mir dadurch mindestens ebenso viele neue Fragen stellten. Die Beschreibungen dieser anderen Welt, welche eigenartigerweise der unsrigen sehr ähnelt, wenngleich sie vollendeter scheint, führten mich zu der Annahme, dass man diesem faszinierenden Phänomen nicht gerecht werden würde, wenn man es eins zu eins übernehmen würde. Die darauf folgenden Jahre sollten mir Recht geben: je mehr man sich mit NTEs beschäftigt, desto stärker tritt ihre Komplexität zu Tage.

    Heute bin ich davon überzeugt, dass es falsch wäre, diese Vorstellungen allzu wörtlich zu nehmen. Ich denke, dass ein im Sterben begriffener Mensch sich in einer Dimension befindet, die sich ihm auf eine Weise zeigt, die er verstehen kann, da sie von Natur aus für den menschlichen Geist nicht verständlich ist.
    Ich glaube, dass es diese andere Welt gibt, dass sie genauso "real" ist wie unsere, aber dass sie sich so sehr von allem unterscheidet, was ein Mensch sich vorstellen kann, dass sie sich ihm in Bildern zeigt, die ihm vertraut sind. In gewisser Weise passt sich diese andere Wirklichkeit an den Menschen an. Die Nahtoderfahrenen erzählen von verstorbenen Angehörigen, die sie empfangen haben und die sie auf Anhieb erkannt hatten. Es ist denkbar, dass diese Wesen ein Äußeres angenommen haben, das dem der Menschen ähnelt, ohne es wirklich zu sein, so dass die Nahtoderfahrenen sie erkennen konnten. Ich glaube in der Tat, dass diese Wesen in der anderen Welt sind, aber in einer Form, die sie nicht hätten verstehen können, wenn sie sich ihnen nicht auf eine Weise gezeigt hätten, die den sterbenden Menschen vertraut ist. Aber vielleicht ist auch nur die Art und Weise menschlich, wie sie das, was sie erlebt haben, wiedergeben, sie ist zwangsläufig menschlich, weil sie ja als Menschen vor uns stehen, um uns davon zu erzählen.

    In den Achtziger Jahren fand man zahlreiche Bücher mit Berichten von Betroffenen und auch schon einige wissenschaftliche Arbeiten zu diesem Thema, aber was mir fehlte, um meinen Überlegungen weiter nach zu gehen, war ein interdisziplinärer Ansatz: Was mochte wohl ein Quantenphysiker, ein Philosoph oder ein Biologe über NTEs denken? Da ich kein solches Werk finden konnte, beschloss ich, das Buch, das ich lesen wollte, selbst zu schreiben. "Erfahrungen an der Schwelle des Todes", zuerst 1995 in der deutschen Ausgabe erschienen und in fünf Sprachen übersetzt, ist eine Sammlung von Interviews mit Universitätsprofessoren unterschiedlicher Fachrichtungen, welcher eine detaillierte Beschreibung des Phänomens der NTE und ihrer Auswirkungen vorangeht.

    Meine Begegnungen

    Meine erste Begegnung im Jahre 1992 mit Kenneth Ring - amerikanischer Psychologieprofessor und eine internationale Kapazität auf dem Gebiet der NTE-Forschung - war in vielerlei Hinsicht wegweisend. Großherzig empfing er mich in seinem Haus in der Nähe der Universität von Connecticut, um das längste Interview seiner gesamten Laufbahn zu geben, wie er es schelmisch nannte. In der Tat konnte ich bei unserer Unterredung, die einen ganzen Tag lang dauerte, einen vollständigen Überblick über seine zahlreichen Untersuchungen und Forschungen gewinnen und seine persönlichen Schlussfolgerungen und innersten Überzeugungen herausfiltern, die in "Erfahrungen an der Schwelle des Todes" veröffentlicht wurden.

    An diesem sonnigen Tag ist eine tiefe Freundschaft entstanden, der selbst Zeit und weite Entfernungen nichts anhaben konnten, sowie eine fruchtbare Zusammenarbeit, die in meiner Mitarbeit an seinem Buch "Im Angesicht des Lichts" ihren Höhepunkt fand.

    Meine Vorstellung von den NTEs wurde durch zahlreiche hoch interessante Gespräche bereichert, die ich seit vielen Jahren mit den renommiertesten Forschern auf diesem Gebiet führen darf. Wir haben das Vergnügen, uns regelmäßig bei unserer Teilnahme an Kongressen oder beim Start gemeinsamer Projekte überall auf der Welt wieder zu sehen. Die fröhlichen Stunden, die wir zusammen verbringen, sind von einer tiefen Freundschaft und einer gemeinsamen Leidenschaft geprägt. Unsere Gespräche sind anregend, aber was mir wesentlich erscheint, ist die Tatsache, dass wir uns alle voll und ganz, mit unserem Herzen, einer echten und nachhaltigen Vorgehensweise verschrieben haben, geleitet von dem beständigen Wunsch, die NTEs besser zu verstehen, um jenen, die eine solche Erfahrung gemacht haben, besser helfen zu können. Außerdem werden wir durch diese faszinierende Erforschung der Nahtoderfahrungen mit unserem Schicksal als Mensch konfrontiert, und es wird uns ermöglicht, intensiv über unser Werden über die uns bekannten Grenzen hinaus nachzudenken.

    Ich danke all den Nahtoderfahrenen, die mir das Geschenk gemacht haben, mit mir diese für ihr Leben so wichtige Erfahrung zu teilen. Die Begegnungen mit ihnen sind jedes Mal ergreifend, beeindruckend und lehrreich.
    Für sie ist die Nahtoderfahrung eine Verletzung, ein Versprechen und eine Segnung zugleich.
    Sie ist eine Verletzung, weil die Nahtoderfahrenen mit einer großen Sehnsucht nach dieser anderen Dimension leben müssen und eine komplizierte Wiedereingliederung in ihren Alltag zu bewältigen haben. Gleichzeitig ist sie ein Versprechen, verankert in ihrer unerschütterlichen Gewissheit, dass sie am Ende ihres irdischen Lebens in diese bessere Welt zurückkehren werden, und schließlich ist sie eine Segnung, die ihnen eine neue Wertvorstellung und ihrem Leben einen echten Sinn beschert. Ich lasse mich jedes Mal erneut mit Freude von ihrer intensiven Suche nach der Wahrheit mitreißen, und bei jeder neuerlichen Begegnung bin ich von ihrer unglaublichen Fähigkeit zu lieben überwältigt.

    Meine Beziehungen zu den NTEs

    Im Laufe der Jahre hat sich mein Interesse für die NTEs immer mehr verstärkt, so dass sie heute ein wesentlicher Teil meines Lebens sind. Ich denke, dass diese Erfahrung an unser tiefstes Inneres rührt, da sie aus dem Kern der Menschen selbst stammt und es dabei um ihr Schicksal geht. Da es sich bei den NTEs um ein komplexes Phänomen handelt, müssen bei ihrer Erforschung auch verschiedene wissenschaftliche Fachrichtungen berücksichtigt werden. Die Psychologie ist dabei ebenso gefordert wie die Quantenphysik; die Neurologie soll untersuchen, was im Gehirn vorgeht, wenn man stirbt bzw. klinisch tot ist; durch geschichtliche Studien lässt sich aufzeigen, dass auch früher schon zahlreiche NTEs stattgefunden haben; die Ethnologie legt uns offen, wie erstaunlich ähnlich diese Erfahrung von vielen Völkern unserer Erde erlebt wird. Durch die NTEs beschäftigen wir uns mit faszinierenden Dingen wie dem Bewusstsein oder wir fragen uns, wie das Gedächtnis eigentlich funktioniert. Ich bin davon überzeugt, dass es der wissenschaftliche Vorsprung ermöglichen wird, den Schleier, der das Mysterium der NTEs verhüllt, immer mehr zu lüften, aber ich glaube auch, dass die endgültige Antwort auf diese Fragen mit einem bestimmten Bewusstseinszustand verbunden ist, der erreicht wird, wenn man dem Tod nahe ist und nur unter diesen Bedingungen zu Tage tritt.

    Meine Untersuchung der NTE als Gesellschaftsphänomen

    Inwiefern stellen die NTEs ein Gesellschaftsphänomen dar?
    Die Nahtoderfahrungen, die von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt erlebt werden, verwandeln sie tief greifend und nachhaltig und verändern ihre Sicht der Welt und der Gesellschaft. Aufgrund ihrer Häufigkeit und ihrer Folgen handelt es sich um ein Gesellschaftsphänomen mit zahlreichen Auswirkungen.

    Im Bereich der Psychologie entwickeln sich die Folgen der NTEs im Laufe der Zeit. Zunächst geht es darum, die Erfahrung in sein Leben zu integrieren, was sich generell als schwierig erweist und sich über mehrere Jahre hinziehen kann. Der Nahtoderfahrene ist häufig sehr empfindlich, denn er hat - soeben knapp dem Tode entkommen - ein schweres Trauma erlitten. Nach der Todesnähe ist sein körperlicher Zustand infolge der Krankheit oder des Unfalls, die ihn beinahe das Leben gekostet hätten, oft kritisch. Die Schwierigkeiten, mit anderen über seine NTE zu sprechen, stellen ihn ebenfalls vor ein großes Problem, denn der Wunsch, diese transzendentale Erfahrung mit seinen Angehörigen zu teilen, stößt schmerzlich auf deren Unverständnis oder Ungläubigkeit. Die Sehnsucht nach dem Erlebten macht seinen Alltag düster, der Drang nach einer neuen Lebensweise ist heftig, aber noch nicht konkret. Eine psychologische Betreuung durch einen Therapeuten, der in NTEs und ihren Folgen bewandert ist, kann sich ebenfalls als notwendig erweisen (reentry problem).

    Ist der Prozess des Integrierens einmal abgeschlossen, treten sämtliche Auswirkungen der NTEs zutage. Professor Kenneth Ring beschreibt die Kraft der psychischen Heilung durch die NTEs im Leben von Menschen, die verzweifelt waren oder gar versucht haben, sich das Leben zu nehmen (Ring, 1991). Nach einer NTE werden Krankheiten besser ertragen, psychische Leiden wie Depressionen oder Drogensucht, an denen einige Menschen vor ihrer NTE litten, können verschwinden. Die Betroffenen sind zuversichtlicher, neurotische Ängste, die vor der NTE bestanden, schwinden (Schröter-Kunhardt, 1993). Studien belegen, dass keine der befragten Personen nach ihrer NTE, welche sich bei einem Selbstmordversuch ereignet hatte, erneut versucht hat, sich das Leben zu nehmen, da die Betroffenen davon überzeugt waren, dass dieser Versuch deshalb gescheitert war, damit sie ihr Leben umgestalten und ihm einen Sinn geben konnten.

    Bei der psychotherapeutischen Betreuung im Allgemeinen spielen NTEs eine bedeutende Rolle, die allmählich in der wissenschaftlichen Literatur diskutiert wird. Es ist vorteilhaft, die Frage über die Stellung des Menschen in einer immer mehr entmenschlichten Gesellschaft, die so weit von den Werten entfernt ist, die die NTEs vermitteln, im Lichte der Lehren der NTEs zu erörtern, welche eine neue philosophisch-spirituelle Perspektive eröffnen.

    Manche Therapeuten nutzen NTEs, um bei ihren Patienten Selbstmordgedanken zu bekämpfen und erzielen dabei bemerkenswerte Ergebnisse (Winkler, 2003).
    Die Persönlichkeitsveränderungen infolge einer NTE werden manchmal mit einer augenblicklichen und absolut erfolgreichen Psychoanalyse verglichen, welche die Ergebnisse, die man mit Psychotherapien zu erreichen erhofft, weit übertreffen (Schröter-Kunhardt, 1993).

    Die sozialen Auswirkungen der NTE sind vielfältig. Die Nahtoderfahrenen leben ihre neuen Wertvorstellungen auf eine Weise, die ihre Mitmenschen daran teilhaben lässt. Ihre Lebensfreude überrascht, sie strahlen Mitgefühl und Hingabe aus und ihr Vertrauen ins Leben und ihre Überzeugung, dass das Bewusstsein nach dem körperlichen Tod weiterlebt, beruhigen. Studien belegen, dass nicht nur Menschen, die eine NTE erlebten, sich auf die eben genannte Weise verändern, sondern dass sich dasselbe Phänomen in geringerem Maße ebenfalls bei Personen ereignet, die sich für NTEs interessieren - ohne dass sie selbst eine erlebt hätten - sie haben sich von diesem Phänomen sozusagen "anstecken" lassen. Diese Menschen zeigen dieselben Veränderungen ihrer Wertvorstellungen, ihres Weltbildes und ihres Glaubenssystems. Sie verlieren ebenfalls die Angst vor dem Tod und zeigen sich zunehmend überzeugt davon, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Je mehr sich das Wissen über diese Erfahrungen zu verbreiten beginnt und je mehr Menschen mit NTEs vertraut werden, desto mehr lässt sich ein sekundäres Massenphänomen beobachten - und das ohne jene Menschen zu berücksichtigen, die dank der technisch immer besser ausgereiften Wiederbelebungsmaßnahmen eine Nahtoderfahrung erleben werden. In diesem Sinn haben wir den Ausdruck geschaffen, dass die NTE wie ein "gutartiger Virus" ist, mit dem man sich anstecken kann (Ring und Elsaesser-Valarino, 1998).

    Ebenso stellt sich die Frage, in welchem Ausmaß und in welcher Form NTEs bei der Sterbebegleitung eine Rolle spielen können. Um diese "Anwendung" der NTEs geht es in meinem neuesten Buch "Engelchens Land". Auch bei der Trauerverarbeitung können NTEs auf bedeutsame Weise helfen, indem sie eine neue Perspektive bieten und viel Trost spenden.

    Der soziopolitische Aspekt der NTEs wird nicht oft erwähnt, aber er erscheint mir dennoch offensichtlich. Auf gewisse Weise sind NTEs umstürzlerisch, da sie ein ganzes Bündel an Werten schaffen, die sich völlig von jenen unterscheiden, die in unseren derzeitigen materialistisch geprägten Gesellschaften vorherrschen. Sie sind insofern umstürzlerisch, als sie zum postmodernen Gedankengut im Widerspruch stehen. Die Auswirkungen der NTEs legen nahe, dass einige Lehren der spirituellen Traditionen oder die universalen Aspekte der religiösen Traditionen auch heute noch zutreffen. Bei vielen Menschen lösen NTEs Unbehagen aus, da ihre Botschaft absolut nicht unserer modernen Denk- und Funktionsweise entspricht. Aber die Tatsache, dass sich Nahtoderfahrungen weiterhin ereignen, dass ihr Phänomen hartnäckig weiter besteht - ein Phänomen, das im Übrigen immer mehr Bedeutung erlangt - all das heißt vielleicht tatsächlich, dass wir erleben werden, wie sich ein paar der postmodernen universellen Ideen im Sinne eines Einschlusses der spirituellen Dimension verändern werden (Ring und Elsaesser-Valarino, 1999).

    Der neurologische Aspekt ist insofern von Bedeutung, als er die grundlegende Frage aufwirft, ob NTEs ein Produkt des menschlichen Gehirns sind oder ob letzteres nur das empfängt und aufzeichnet, was bei einer Nahtoderfahrung geschieht, während man klinisch tot ist. Das medizinische Paradigma, demzufolge der Geist zwangsläufig nur eine Funktion des Gehirns ist, wird inzwischen angezweifelt. Der Kardiologe Pim van Lommel ist der Ansicht, dass "die Annahme, dass Bewusstsein und Gedächtnis bloß eine Funktion des Gehirns sind, nicht erwiesen ist, da es bis heute keinen wissenschaftlichen Beweis dafür gibt, dass es für alle Aspekte des subjektiven Erlebens auch entsprechende Neurone gibt" (Van Lommel, 2004).
    Allmählich entstehen neurophysiologische Modelle. Es ist wahrscheinlich, dass spirituelle Erfahrungen von der Art der NTEs unserem Gefühl für das Heilige und der Entstehung der Religionen zu Grunde liegen.

    Die Medizin ist durch die erstaunlichen Heilungsmöglichkeiten gefordert, die nach einer NTE auftreten können. Diese Gaben entwickeln sich häufig langsam, im Laufe der Zeit. Derzeit verfügen wir nur über wenige wissenschaftliche Forschungen und einige statistische Daten. Dr. Cherie Sutherland hat insbesondere die Intuition (60% vor der NTE gegenüber 95% danach) und die Gabe des Heilens (8% vor der NTE gegenüber 70% danach) untersucht (Sutherland, 1989). Der Begriff Heilen bzw. Heilung wird von diesen Nahtoderfahrenen umfangreicher verstanden, für sie handelt es sich dabei nicht nur um eine bloße Verbesserung des Gesundheitszustandes, sondern auch um eine positive Lebenseinstellung. Es gibt zwei Arten der Heilens: das Heilen durch Gefühle (emotional healing), basierend auf dem Glauben, dass das Bewusstsein nach dem Tod weiterlebt, dem Verlust der Angst vor dem Tod, dem Mitgefühl, den Emotionen, der Intuition und der Liebe; und das körperliche Heilen (physical healing), das meist durch Handauflegen erfolgt, wodurch es zu einer Energieübertragung kommt, sowie durch Visualisierung und Beten (Long, 2005).
    Ich für meinen Teil bin davon überzeugt, dass alle Menschen im Verborgenen diese Fähigkeiten besitzen und dass eine Bewusstseinserweiterung, wie sie sich bei einer NTE ereignet, ausreicht, um dieses natürliche Potential zu aktivieren, das den Menschen eigen ist.

    Erwähnen wir noch einige Fälle, in denen es nach einer NTE zu einer spontanen, sozusagen wundersamen, Heilung kam. Meines Wissens ist bis heute keine einzige konsequente wissenschaftliche Untersuchung durchgeführt worden, die sich mit diesen Fällen beschäftigt hätte, aber die Betroffenen sind davon überzeugt, dass sie vom "Lichtwesen" geheilt wurden. Diese Auswirkungen der NTEs, die noch ziemlich mysteriös sind, eröffnen viel versprechende Perspektiven und werfen die Frage, welchen Einfluss der Geist auf den Körper hat, noch stärker auf.

    Die Quantenphysik muss direkt mit der NTE-Forschung assoziiert werden. In der Tat sind sich zahlreiche Physiker darüber einig, dass Nahtoderfahrungen einem Phänomen der Quantenphysik gleichkommen. Es wurden bereits mehrere Modelle entwickelt, ich werde hier aber nur jenes von Professor Régis Dutheil (Arzt und Professor für Physik und Biophysik) nennen, welches detailliert in "Erfahrungen an der Schwelle des Todes" behandelt wurde. Er stützt sich bei seiner Hypothese auf ein Modell, bei dem das Bewusstsein ein Feld tachyonischer - "überlichtschneller" - Materie und Teil des wahren fundamentalen Universums ist, von dem unsere Welt nur eine unterlichtschnelle holographische Projektion darstellt. Er ist der Ansicht, dass es mathematisch gesehen unbestritten möglich ist, dass noch ein anderes, ein weiteres und einziges - überlichtschnelles - Raum-Zeit-Kontinuum existiert. Die Schnittstelle zwischen diesen beiden Welten wäre demnach das, was Relativisten als Lichtkegel bezeichnen, auf dessen Oberfläche sich das Licht, die Photonen und die anderen Teilchen, die sich mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegen, ausbreiten. Die Grenze zwischen diesen beiden Universen wäre eine gemeinsame Zone, die wahrscheinlich aus Photonen besteht. Professor Dutheil hat ein Modell entwickelt, bei dem er davon ausgeht, dass sich das Photon aus einem überlichtschnellen und einem unterlichtschnellen Teil zusammensetzt. Laut seiner Hypothese wären NTEs für die Menschen der Übergang von der unterlichtschnellen in die überlichtschnelle Welt. Dieser Übergang soll aus verschiedenen Phasen bestehen. Das Passieren des dunklen Tunnels würde in seinem Modell dem Durchbrechen der Lichtmauer entsprechen. Er ist der Ansicht, dass im Augenblick des Übergangs das partielle Bewusstsein des Menschen, der im Sterben liegt und eine NTE erlebt, die Lichtmauer durchbricht und dabei Teilchen, die sich mit Lichtgeschwindigkeit fortbewegen, also Photonen, auf das Bewusstsein einströmen. Es wird dabei selbst zu Licht und nimmt alles, was es umgibt, als dunkel wahr. Sein Modell enthält auch Erklärungen zu anderen Aspekten der NTE, wobei es nicht zweckmäßig erscheint, an dieser Stelle näher darauf einzugehen. (Dutheil und Elsaesser-Valarino,1995)

    Die Philosophie : Michel Lefeuvre, Professor für Philosophie, hat versucht, den NTEs ein ontologisches Statut - ein Statut der Wahrheit - zu verleihen und sie dadurch in eine allgemeine Bewusstseinstheorie zu integrieren. Indem er eine Parallele zu Prousts Madeleine-Episode aus "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" zieht, sagt er: "Mich interessiert hier nicht so sehr das ausdrückliche Urteil, das doch Kennzeichen des Geistes ist - denn nur der Geist kann vergleichen, unterscheiden, urteilen -, sondern es ist vielmehr die Tatsache, dass das Gehirn sowenig Bedeutung hat in dem Augenblick, da das Bewusstsein vollständig in Berührung mit sich selbst ist, mit seiner Spiritualität, seinem innersten Wesen, weil das, was das Bewusstsein gewöhnlich von ihm selbst trennt - die Materialität der Dinge, die Dichte der Ereignisse, die Raum-Zeit der Welt - irgendwie aufgehoben wird; es ist sogar, als erlaubte die Unterbrechung der Gehirnaktivität dem Bewusstsein, sich in der Fülle des Seins zu erreichen. Daher der Eindruck der Erweiterung, der Dehnung in diesem Augenblick des auf ihn konzentrierten intensiven Vergnügens, von dem Proust erzählt." Und er schliesst mit den Worten: "Tod und Geburt sind die beiden entgegengesetzten Pole desselben Mysteriums, denn bei der Geburt ist es der Geist, der sich wunderbarerweise im Fleisch verkörperlicht, während es beim Tod der Geist ist, der ebenso rätselhaft aus dem Fleisch entweicht. Die Verkörperung ist ebenso schwer vorstellbar wie die Entkörperlichung. Und doch hat die Verkörperung stattgefunden. Die Nahtodeserfahrungen eröffnen eine Perspektive auf die Entkörperlichung." ("Erfahrungen an der Schwelle des Todes", Seehamer Verlag, © 1995 Ariston Verlag Kreuzlingen)

    Mein neues Buch "Engelchens Land"

    Ich habe "Engelchens Land" in der Absicht und mit dem Wunsch geschrieben, die aktuellen Erkenntnisse der wissenschaftlichen Forschung auf dem Gebiet der NTEs den Menschen zugänglich zu machen, die mit einer schweren Lebenskrise konfrontiert werden.

    Auf den ersten Blick ist "Engelchens Land", in der Ichform erzählt, die Geschichte eines jungen Mädchens, das schwer krank wird. Der Leser findet sich in den Gedanken der Erzählerin wieder und taucht immer tiefer ein in ihre Geisteswelt, ihre Gedanken und Gefühle, während das Unglück seinen Lauf nimmt. Das junge Mädchen zieht den Leser hinein in seine Krankheit und die damit verbundenen Höhen und Tiefen, er wird sein Reisegefährte und mit ihm und mit den Menschen in seinem Leben innig vertraut und verbunden. Die Qual des Mädchens wird schließlich zur Qual des Lesers, aber so macht er sich auch all die Dinge zu eigen, die es lernt, während es kämpft, um das, was ihm da zugestoßen ist, zu verstehen. Und plötzlich stellt der Leser fest, dass die wichtigsten Botschaften diese Einsichten und dieses Wissen sind, die die Erzählerin nach und nach erlangt. Zu Beginn der Handlung scheint sie eigentlich ein ganz normales Mädchen zu sein, aber so wie sich seine Krankheit entwickelt, so entwickelt sich auch das Mädchen selbst - in seinem Wissen, seinem Charakter. Zuletzt erlangt es einen hohen Grad spiritueller Weisheit dank seiner Puppe Engelchen und dank eines Leidensgenossen, der eine Nahtoderfahrung erlebt und sie ihm auf eindrucksvolle und mitreißende Weise schildert.

    Die wissenschaftliche Forschung auf dem Gebiet der NTE, die bei weitem noch nicht abgeschlossen ist, ermöglicht schon jetzt einige "praktische Anwendungen" oder bescheidener ausgedrückt, sie lädt uns dazu ein, die Schönheit und die Lehren dieser transzendentalen Erfahrung mit den Menschen zu teilen, die einen unmittelbaren und konkreten Nutzen daraus ziehen können.

    Abgesehen von der intellektulellen Herausforderung, die die NTEs an uns stellen, sollen die Erkenntnisse, die wir heute über das komplexe Phänomen und die Auswirkungen der NTE besitzen, jenen Menschen helfen, die unmittelbarer mit den Grenzen des menschlichen Lebens konfrontiert sind.

    Die neuen Perspektiven, die uns die NTEs eröffnen, eine sanftere Vorstellung vom körperlichen Tod, die sie nahe legen, die Hoffnung, die sie über die bekannten Grenzen hinaus schaffen, sollen - falls erwünscht - Kranken, Sterbenden oder Trauernden, oder noch allgemeiner gehalten, allen Menschen zur Verfügung stehen, die für die Endlichkeit des menschlichen Schicksals empfänglich und bereit sind, sich damit auseinanderzusetzen.